Nach dem Vortrag über Blackout und Vorsorgemaßnahmen von Herbert Saurugg, MSc, am 26. Jänner 2018 im Vereinshaus in Günseck, wurde mit der Umsetzung von Maßnahmen zur Versorgung der Ortsbevölkerung von Günseck im Fall eines längerfristigen Stromausfalles begonnen.

Ziele:

  • Aufrechterhaltung eines Notbetriebes im Feuerwehhaus und im Vereinshaus (alte Schule).
  • Versorgung der Heizungsanlagen.
  • Schaffung von Not-Kochmöglichkeiten.
  • Betrieb von Gefrierschränken und des Kühlraumes im Vereinshaus um verderbliche Lebensmittel nutzbar zu erhalten.
  • Betrieb der Straßenbeleuchtung zur Erhöhung der Sicherheit. 
  • Einrichtung eines Krisensammelzentrums im Vereinshaus.

Umsetzung:

  • FeuerwehrhausNotstromversorgung Feuerwehrhaus

    Im Feuerwehrhaus wurde eine händische Notstromumschaltung und eine Einspeiseeinrichtung installiert. Im Bedarfsfall wird von der Fa. Funktechnik Klein GmbH ein, auf einen PKW-Anhänger montiertes, 20kVA Dieselaggregat kostenlos bereit gestellt.
     
    • Alarmierung der Feuerwehr und der Bevölkerung (Zivilschutzalarm) mittels Sirene gewährleistet.
    • Im Feuerwehrhaus kann die komplette Beleuchtung, Funkanlagen und EDV betrieben werden.
    • Da das Feuerwehrhaus elektrisch beheizt wird und die Leistung des Aggregates für die komplette Heizungsanlage ausreicht, kann das ganze Haus inklusive Garage beheizt werden.
    • Warmwasser wird mittels Durchlauferhitzer aufbereitet und ist, eine funktionierende Wasserversorgung vorausgesetzt, ebenfalls verfügbar.
    • Da die komplette Ortsbeleuchtung (Leistung ca. 3kW) vom Verteiler des Feuerwehrhauses gespeist wird, funktioniert auch die Straßenbeleuchtung im ganzen Ort weiter.
    • Von 20 aktiven Feuerwehrmännern haben bereits 12 Männer Notstromversorgungen in ihren Privathäusern eingerichtet und damit ihre Häuser und Familien versorgt. Auf Grund dieser Tatsache kann man auch im Fall eines Blackouts mit einer handlungsfähigen Mannschaftsstärke der Feuerwehr Günseck rechnen.


  • Vereinshaus (alte Schule)Notstrom Vereinshaus

    Im Vereinshaus wurde eine händische Notstromumschaltung und eine Einspeiseeinrichtung installiert. Im Bedarfsfall wird von der Fa. Funktechnik Klein GmbH ein 42kVA Dieselaggregat kostenlos bereit gestellt und mittels Hubstappler oder LKW-Kran angeliefert.

     
    • Das Haus wird elektrisch beheizt. Die komplette Heizung hat eine Anschlussleistung von ca. 25kW. Das Haus kann somit vollständig mit dem Notstromaggregat beheizt werden.
    • Die Einwohneranzahl von Günseck beträgt ca. 200 Personen. Das Vereinshaus bietet Platz für ca. 200 Personen. Es kann damit im Extremfall die komplette Bevölkerung in geheizten Räumlichkeiten untergebracht und mit warmen Getränken und teilweise auch mit Speisen versorgt werden. 
    • Die Beleuchtung im ganzen Gebäude funktioniert wie gewohnt.
    • Die vorhandenen Sanitäranlagen können beim Ausfall der Wasserversorgung auch mit Brauchwasser aus den umliegenden Bächen versorgt werden. 
    • Der Kühlraum und zusätzliche Gefriergeräte stehen zur Verfügung.
    • Ein Getränkevorrat aus dem Laufenden Betrieb des Vereinshauses (Dorfwirtshaus) ist vorhanden.
    • Kochmöglichkeiten wie Glühweinkocher, Fritter und Kochplatten können elektrisch betrieben werden.
    • Größere Mengen an Speisen können auch in der "Kistenfleischkiste" des MSC-Günseck, in Futterdämpfern mit Auslasspfannen oder in einem doppelwandigen Schnapskessel mit Holzbefeuerung gekocht werden. Lebensmittel werden jedoch hier keine bevorratet werden. Verkocht werden nur Lebensmittel, die von der Bevölkerung bereit gestellt werden.
    • Hilfsbedürftige Personen, die im Normalfall mit "Essen auf Räder" oder der gleichen versorgt werden können vom Vereinshaus versorgt werden.
    • Medizinische Erstversorgung, Blutdruck messen, Verbände wechseln und andere einfache Tätigkeiten, können durch diplomiertes Krankenpflegepersonal aus der Ortsbevölkerung erledigt werden. Fahrten zu Ärzten oder in Krankenhäuser können organisiert und gemeinschaftlich durchgeführt werden.
    • Besorgungsfahrten werden organisiert und mit möglichst wenigen Fahrzeugen gemeinschaftlich und dadurch treibstoffsparend durchgeführt.
    • Von hier aus wird Verbindung zur Gemeinde, Polizei, und Bezirkshauptmannschaft gehalten und die Bevölkerung mit gesicherten Informationen versorgt.

  •  Kommunikation

    • Als Kommunikationsmöglichkeit stehen nach dem Ausfall von Festnetz- und Mobiltelefonen und dem Behördenfunk TETRA, die Digitalfunkgeräte der Feuerwehr im Direktmode zur Verfügung. Weiters ist am Gelände der Fa. FunkTechnik Klein GmbH eine 2m Relaisstation mit einer Antenne auf einem 30m Mast installiert und Notstromversorgt. Es stehen Zahlreiche Mobil- und Handfunkgeräte zur Verfügung. Dadurch ist eine Kommunikation aller handelnden Personen vor Ort und auch überorts in einem Umkreis von 10-30km gewährleistet. 
    • Zur Alarmierung der Feuerwehr oder im Falle eines Zivilschutzalarmes steht, wie schon erwähnt, durch die Notstromversorgung des Feuerwehrhauses die Sirene am Feuerwehrhaus auch bei längeren Stromausfällen zur Verfügung. 

  • Privathaushalte

    • Bereits 13 Einfamilienhäuser (von ca. 70 bewohnten Häusern) sind Notstromversorgt. Damit ist in diesen Häusern die Frage der Heizung und der Erhaltung verderblicher und gefrorenen Lebensmittel gelöst. Diese Haushalte werden sich und mit etwas Nachbarschaftshilfe, Verwandte und Nachbarn versorgen können.

  • Kraftstoffversorgung 

    Die Dieselbevorratung erfolgt über ein Hoftankanlage der Funktechnik Klein GmbH
    • Für die Versorgung der Stromaggregate im Feuerwehrhaus, im Vereinshaus und am Firmengelände der FunkTechnk Klein GmbH steht ein Dieselvorrat von 1500-2500 Liter SADK-Diesel zur Verfügung. 1000 Liter werden von Funktechnik Klein laufend ausgetauscht (Lagerstand daher zwischen 1500 u. 2500 Liter). Wenn man von einem durchschnittlichen Verbrauch von ca. 4 Liter pro Aggregat und einer Betriebsdauer von 12 Stunden pro Tag ausgeht, ergibt sich ein Tagesverbrauch von ca. 144 Liter. Damit ist eine Versorgung für einen Zeitraum von ca. 10-17 Tagen gewährleistet.

    • Die Haushalte haben je Stromaggregat zwischen 80 und 100 Liter Diesel gelagert. Der Verbrauch der Installierten 6kVA Geräte beträgt ca. 0,7 Liter pro Stunde. Bei einer Betriebsdauer von 10 Stunden (mehr ist in Privathäusern für einen Notbetrieb sicher nicht erforderlich) beträgt der Tagesverbrauch ca. 7 Liter. Mit einem Vorrat von 80-100 Litern ist somit ein Zeitraum von 11-14 Tagen überbrückbar.
  • LebensmittelvorräteVorrat

    • Im ländlichen Bereich und in vor allem in Orten mit größtenteils Einfamilienhäusern und ohne Nahversorger, so wie in Günseck, ist in jedem Haushalt sicherlich immer ein gewisser Lebensmittelvorrat vorhanden. Auf Grund des Informationsvortrag und des Zivilschutztages haben viele Bewohner das Thema aufgegriffen und Ihre Lebensmittelvorräte erweitert und optimiert. Die Bevölkerung kann sich deshalb sicherlich 2 Wochen ohne größere Probleme und Entbehrungen ernähren.
    • Lebensmittelvorräte sind aber immer Sache der einzelnen Haushalte und Familien und werden nicht zentral, für die Allgemeinheit bevorratet - jeder ist für sich und seine Familie selbst verantwortlich. 

 

  • Wasserversorgung

    Die Wasserversorgung über die Ortswasserleitung ist nur eingeschränkt und nicht auf längere Zeit gesichert.

    • Die Einspeisung aus dem Netz des "Wasserverband südliches Burgenland" fällt sofort mit dem Stromausfall aus, da die nötigen Pumpen nicht Notstromversorgt sind.
    • Der Zulauf der eigenen Quellen der Wasserversorgung der Gemeinde Unterkohlstätten an der auch Günseck angeschlossen ist, läuft über eine UV-Entkeimungsanlage. Diese Anlage ist weder Notstromversorgt, noch ist derzeit eine Umgehungsmöglichkeit vorhanden. Bei Stromausfall wird das Quellwasser sofort in einen Überlaufkanal umgeleitet und ist nicht mehr Nutzbar. Es steht dann nur mehr das, zu diesem Zeitpunkt in den Hochbehältern vorhandene, Trinkwasser zur Verfügung.
    • Im Zuge des Projektes achten viele Bewohner jedoch immer mehr auf einen eigenen Trinkwasservorrat. 
    • Brauchwasser ist in den umliegenden Bächen genügend vorhanden und kann mittels Kanistern oder dem TLF der FF-Günseck angeliefert werden.
    • Bei der Trinkwasserversorgung besteht noch Handlungsbedarf der Gemeinde Unterkohlstätten!

  • Abwasserentsorgung

    Das Abwasser fließt, bis auf 2 Pumpstationen, im eigenen Gefälle von Günseck in Richtung Kläranlage in Klostermarienberg.

    • Der Anfall an Abwasser wird um einiges geringer sein als im "Normalbetrieb". Ob die Kläranlage diese reduzierte Menge verarbeiten kann ist nicht bekannt. Da Günseck auf einem Hügel liegt, fließt das Abwasser erstmal in Richtung Kläranlage und beim Ausfall dieser, gemeinsam mit den Abwässern der anderen Gemeinden bei Überlaufbauwerken in den Bach.
    • Die beiden Pumpstationen betreffen nur wenige Häuser und können abwechselnd mit dem Notstromaggregat der Feuerwehr in den Hauptkanal umgepumpt werden.

 

Fazit:

Günseck ist für einen längerfristigen Stromausfall gerüstet. Auch in der Bevölkerung wurde ein zufriedenstellendes Maß an Bewusstsein erreicht. Um eine reibungslose Funktion des Krisensammelzentrums "Vereinshaus - alte Schule" zu gewährleisten sind aber trotzdem laufende Informationen und Übungen notwendig und geplant. Eine sehr gute Möglichkeit dazu ist die Einführung eines jährlichen Zivilschutztages, so wie er erstmals am 8.10.2018 mit großem Erfolg abgehalten wurde.

Die Krisenfestigkeit der Bevölkerung kann nicht durch einmalige Anschaffungen oder Aktionen sondern nur durch einen ständigen Prozess und eine gewisse Umstellung der Lebensgewohnheiten erreicht werden.

 

OBI Sigi Klein, Kdt. der FF-Günseck