Der Strom kommt aus der Steckdose...

 
...und das auch noch sehr verlässlich, so glauben das zumindest viele Menschen. So selbstverständlich ist das aber nur weil dahinter eines der besten und sichersten Stromnetze der Welt steht. Hinter unserer sehr hohen Versorgungssicherheit steckt ein europäisches Verbundsystem, dass nur im Gesamten sicher funktioniert. Es wurde für einfach berechenbare und steuerbare Großkraftwerke errichtet. In den letzten Jahren haben sich jedoch die Rahmenbedingungen erheblich verändert.

 So ist etwa in Deutschland die Anzahl der Erzeugungsanlagen in den letzten 10 Jahren von rund 1.000 auf über 1,7 Millionen angestiegen. Zudem haben die vielen neuen Kleinkraftwerke eine unangenehme Eigenschaft. Sie können nicht konstant Strom liefern, sondern sind auf Wind- und Sonnenverhältnisse angewiesen – es kommt zu einer volatilen Stromerzeugung. Zusätzlich belasten auch andere Eingriffe, wie etwa der “Energie-Only-Markt”, der keine Rücksicht auf physikalische und damit infrastrukturelle Voraussetzungen nimmt, die Systemsicherheit.

Einen ersten Vorgeschmack auf das, was kommt, bot das Jahr 2017. Der Jänner war trocken, kalt und finster. Der Juni trocken, heiß und windstill. Die Folge: weder die Wasser-, Wind- noch Solarkraftwerke haben genug Strom erzeugt, um den heimischen Bedarf zu decken. An 301 Tagen musste der Übertragungsnetzbetreiber APG eingreifen, um das Netz stabil zu halten. Diese Eingriffe haben im Jahr 2017 320 Mio. Euro gekostet. Im Jahr 2011 haben diese Kosten noch 2 Mio. Euro betragen, 2009 waren diese Aufwände überhaupt noch nicht erforderlich. 

Über www.strom-aus.at

Die Seite www.strom-aus.at ist eine Sammlung aus Daten und Fakten über den Zustand und die Entwicklung unseres Stromversorgungssystems. Die Aufgabe muss sein, Menschen bewusst zu machen, auf welch dünnem Eis wir uns derzeit bewegen. Solange es nicht ein grundlegendes Umdenken auf Regierungs- und EU-Ebene gibt, wird sich daran leider auch nicht wirklich viel ändern. Diese Einsicht ist in nächster Zeit aber nicht zu erwarten. Selbst wenn man jedoch sofort zum Schluss, unsere Energiepolitik grundlegend zu überdenken, käme, würde es Jahre dauern um entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Derzeit ist aber mit der geplanten Einführung der Elektromobilität gerade das Gegenteil der Fall. So umweltfreundlich die E-Mobilität auch sein mag, solange wir EU-weit unseren Strom zu 45% aus fossilen Brennstoffen und zu 26% aus Kernenergie erzeugen ist die Nachhaltigkeit dieses Vorhabens sehr in Frage zu stellen. Doch nicht die Erzeugung, des dafür erforderlichen Stromes, wird das Hauptproblem werden. Für den Transport und die Verteilung der erforderlichen Energiemengen für eine flächendeckende Ladeinfrastruktur ist unser derzeitiges Hoch- und Niederspannungsnetz nicht ausgelegt. Wer glaubt, durch Ignoranz und politische Entscheidungen, technisch- und physikalische Grundgesetze aushebeln zu können, wird eines Tages die Rechnung dafür präsentiert bekommen. Die Folgen dieser Fehlentwicklung werden uns alle treffen.

Was kann der Einzelne tun:

Wir werden heutzutage täglich mit einer Flut von Informationen konfrontiert. Dadurch fällt es immer schwerer zwischen Realität und Fake zu unterscheiden. Nur wer sich wirklich gezielt informiert und Daten und Fakten akzeptiert, wird den Ernst der Lage auch erkennen. Der Einzelne kann zwar nur einen imaginären Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten. Um uns vor den Folgen eines plötzlichen Versagens dieses Systems zu schützen, sollten wir aber wieder lernen ein wenig eigenständiger zu Leben. Der tägliche Konsumwahn und das "just-in-time" Denken haben Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen. Alles was vor 30-40 Jahren, im Bezug auf Eigenständigkeit, noch Alltag war, haben wir heute an Konzerne und Großmärkte abgetreten. Wir bekommen täglich alles frisch und wenn wir wollen auch noch bis an die Haustür geliefert. Das ist zwar sehr bequem und komfortabel, doch wie würde es uns ergehen, wenn dass gewohnte System schlagartig nicht mehr funktioniert? 

Wenn wir wieder, zumindest teilweise, eine gewisse Selbstversorgungsfähigkeit (Resilenz) zurückgewinnen, ist das sicher die beste und wahrscheinlich auch die einzige Möglichkeit uns auf Krisensituationen vorzubereiten. Die Seite www.strom-aus.at soll dazu Anleitungen und Ideen liefern. Ob und was jeder daraus macht liegt im Ermessen eines jeden Einzelnen.