Die Voraussetzungen für ein Blackout sind in den vergangenen Jahren auch in Europa deutlich gestiegen. Aus folgenden Gründen steigt die Gefahr stetig:

  • Die Volatilität bei der Energiebereitstellung ist infolge des Anwachsens des Anteils erneuerbarer Energien gestiegen, ohne dass eine vermehrte Pufferung und Bevorratung in Angriff genommen wurde.

  • Der Abbau von konventionellen Kraftwerken und von Kernkraftwerken führt zum Abbau der Momentanreserve (wg. dem Abbau der Synchrongeneratoren = “rotierende Masse”), ohne dass dafür Ersatz in Sicht ist. Das steigert die Fragilität des Stromnetzes in fortschreitendem Maße.

  • Die zur Aufrechterhaltung der Netzsicherheit und Netzstabilität notwendigen ad-hoc-Eingriffe der Netzbetreiber haben deutlich zugenommen und ihre Anzahl steigt andauernd an (siehe Auswertung Redispatching & Intradaystops - Herbert Saurugg, MSc).

  • Der Netzausbau hat besonders in den unteren Spannungsebenen (Verteilnetz) mit der Veränderung bei der Energiebereitstellung nicht Schritt gehalten und die Beobachtbarkeit dieser Netzebenen ist weiterhin schlecht oder überhaupt nicht vorhanden.

  • Die immer noch abnehmende durchschnittliche Nichtverfügbarkeit des Stromes (SAIDI-Wert) verstellt den Blick auf die sich anbahnenden Schwierigkeiten.

  • Die Energiehandelstätigkeiten nehmen auf die Begrenztheit des Netzes keinerlei Rücksicht und daraus entstehende Probleme werden über die Netzbetreiber den Energienutzern aufgebürdet. Der Markt ist offenbar wichtiger als die Versorgungssicherheit und physikalische Grenzen.

  • Die staatlichen Eingriffe durch Gesetzgebungen, besonders auch durch Subventionen und durch “Schutzmaßnahmen” für Investoren verzerren den Markt und belasten Netzbetreiber wie auch Netznutzer.

  • Alleingänge der Länder (hier besonders Deutschland) stören das gesamteuropäische Stromnetz, den Energiehandel darin und erzeugen Kostenverschiebungen, welche selbst Pumpspeicherwerke unwirtschaftlich werden lassen.

  • Gesetzgeberische Maßnahmen ignorieren mehr und mehr die physikalisch bestimmte Wirklichkeit und ignorieren auch Gefahren des vermehrten Einsatzes der Informationstechnik und der extrem ansteigenden Vernetzung sämtlicher Komponenten ohne dass die Sicherheit bei dieser Vernetzung verbessert wird. Gesetze für das Melden und Sammeln von Vorfällen (z. B. IT-Sicherheitsgesetz) erhöhen die Sicherheit keineswegs. Die Gefahren eines Einwirkens von außen wachsen derzeit erheblich. Auch Erfahrungen in anderen Branchen werden ignoriert und als unzutreffend für die Energiebranche betrachtet.

Handlungsbedarf: Erhöhung der gesamtgesellschaftlichen Resilienz

Wir können uns einen längeren Infrastrukturausfall nicht vorstellen. Gleichzeitig wurden viele Prozesse an den Optimalzustand – alles funktioniert – angepasst. Ob das die Just-in-Time- bzw. Just-in-Prozess-Logistik und Versorgung betrifft, oder auch die individuelle Vorsorge (Eigenbevorratung), wir haben kaum Puffer, um mit einem solchen Ereignis umgehen zu können. Für einzelne Personengruppen müssen sogar noch schwerwiegendere Schäden erwartet werden (siehe etwa Regierungsanalyse warnt vor 1.000 Toten nach einem Stromausfall in Folge eines Groß-Orkans - finanznachrichten.de). Besonders bei der Versorgung der Bevölkerung müssen erhebliche Probleme erwartet werden (siehe Studie “Ernährungsvorsorge in Österreich“). Dabei könnte gerade dieser Punkt durch einfache Eigenbevorratungsmaßnahmen entschärft werden.

Um diese Eigenversorgungsfähigkeit der Bevölkerung zu erhöhen, bedarf es umfassender Informations- und Aufklärungsarbeit. Die Bereitschaft zu dieser Aufklärungsarbeit lässt aber in allen Ebenen immer noch zu wünschen über und das Thema wird meist heruntergespielt oder ignoriert.

 


Einige Links zum Thema:

 

"Strom aus - Wie sicher sind unsere Netze" - Dokumentation auf 3sat am 8.11.2017


"Schweiz im Dunkeln" - In Mitteleuropa fällt der Strom aus. Welche Folgen hat das für dich und mich? Wie viele Tage überleben wir? Und wie gut reagieren die Behörden?


Zeitungsbericht "der Standard": Blackout-durch-Hacker-wird-real-ist-Oesterreich-vorbereitet


Power-Blackout - eine Katastrophe!