Die Folgen eines Blackout im privaten Bereich

Phase 1 "kein Strom"

  

 

Beleuchtung:

Elektrisches Licht, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich fällt aus. Häuser, Straßen, öffentliche Einrichtungen, Verkehrseinrichtungen (Bahnhöfe, U-Bahnstationen, Flughäfen) sind ohne Beleuchtung. Durch hantieren mit Kerzen und anderen Lichtquellen mit offenem Feuer steigt die Gefahr von Bränden.

 

Wärme:

So gut wie keine Heizung funktioniert heutzutage ohne Strom. Auch Holz-, Öl-, Gas- und Pellets-Zentralheizungen haben elektrische Steuerungen und benötigen Umwälzpumpen. Ohne funktionierende Umwälzpumpe überhitzt der Heizkessel und die Heizkörper bleiben trotzdem kalt. Auch Fernwärmeheizungen kommen nicht ohne Pumpen und Steuerungen aus und bleiben daher ebenfalls kalt. Die einzigen Alternativen sind Kachelöfen, Küchenherde und Schwedenöfen. Diese funktionieren aber auch nur wenn die Rauchfänge gewartet und regelmäßg gekehrt werden und wenn natürlich ausreichend geeignetes Brennmaterial vorhanden ist.


Kochen:

Elektroherd, Mikrowelle, Kaffeemaschine, Wasserkocher usw. funktionieren ohne elektrischen Strom nicht mehr. Gekocht kann nur mehr auf Holzherden, Campingkocher, Griller, etc. werden.


Wasser:

Bei einem längeren Stromausfall fallen Trinkwasseraufbereitung und Abwasserentsorgung mit Pumpen aus. Wenn auch manche Wasserversorgungsnetze durch das natürliche Gefälle ohne Pumpen auskommen, so gibt es nahezu keine Versorgungsnetze ohne UV-Entkeimungsanlagen. Diese fallen natürlich auch aus und das Wasser darf eigentlich nicht mehr als Trinkwasser verwendet werden. Weiters dürfen laut Gesetz Wasserverbände nur dann Wasser liefern wenn auch die Abwasserentsorgung funktioniert. Eine generelle Aussage ob und wie lange die Versorgung mit Trinkwasser funktioniert kann daher nicht getrofen werden und muss in jeder Gemeinde gesondert abgeklärt werden.

Lebensmittel:

Kühl- sowie Gefrierschranke tauen früher oder später auf, je nach Alter und  Isolierung der Geräte. Wenn nicht sofort Maßnahmen getroffen werden um die Kühlgeräte weiter zu versorgen (Notstromaggregat) oder die Lebensmittel zu verwerten, verderben diese. Das Verderben von Lebensmittel sollte jedoch unbedingt verhindert werden, da im Falle eines Blackouts die Versorgung mit Lebensmittel für einige Zeit nur sehr schlecht oder gar nicht mehr funktionieren wird. Fleisch kann z.B. eingesalzen (gepöckelt) werden. Auch das Braten und Einlegen in Gläser ist eine Möglichkeit - wenn ein Holzherd vorhanden ist. Mehr Tips zum Haltbarmachen von Lebenmitteln gibt es hier!

 

Mobilität:

PKW´s funktionieren nur mehr solange sie noch Treibstoff im Tank haben. Die gesamte Logistik und Warenlieferung bricht ebenfalls zusammen. Verkehrsleitsysteme fallen aus und alle Tunnel werden wegen ausgefallener Sicherheitstechnik automatisch gesperrt. Außerdem fallen natürlich alle öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus, Bahn, U-Bahn, Flugverkehr sowie Aufzüge, Skilift, Seilbahn, Parkhausschranken, etc. aus.
Innerhalb weniger Stunden kommt der gesamte Verkehr und somit auch der gesamte Warenfluss zum erliegen. 

  

Kommunikation:

Radio- und Fernsehgeräte mit Netzspannung funktionieren nicht. Radiogeräte mit Akkus, Batterien oder Autoradios funktionieren unter Umständen, sofern die Sendeanlagen nicht vom Stromausfall betroffen sind. Radiosendeanlagen sollten für maximal 5 Tage Notstromversorgt sein. Mobiltelefonie, Festnetz sowie Computer und Internet fallen teilweise zeitgleich mit dem Strom aus und stehen daher nur mehr sehr eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung. Der Behördenfunk "TETRA"  fällt nach maximal 24 Stunden aus. Die Alarmierung von Einsatz- und Hilfsorganisationen, wie Polizei, Feuerwehr und Rettung, wird damit nahezu unmöglich.

 

Geld:

Geldautomaten funktionieren nicht mehr und Banken können keine Auszahlungen mehr tätigen. Sie haben nur mehr das Geld, dass Sie in der Tasche oder zu Hause haben, zur Verfügung.

 

Einkaufen:

Supermärkte bleiben ohne Kasse und Abrechnungssysteme geschlossen. Elektrische Schiebe- und Drehtüren sind funktionsunfähig. Es gibt nur mehr bei Einzelhändlern, die auch "ohne Kassensystem" abrechnen können etwas zu kaufen. Die noch vorhandenen Lebensmittel werden in kürzester Zeit ausverkauft sein, da alle die im Vorfeld nicht für einen Notvorrat gesorgt haben, jetzt versuchen werden sich mit möglichst vielen Lebensmitteln einzudecken. Überall wo es noch offene Geschäfte gibt, wird es zu Menschenansammlungen und zu Tumulten kommen. Gerade in Stresssituationen kann nicht angenommen werden, dass Menschen überlegt und besonnen reagieren. Jeder wird versuchen, ohne Rücksicht auf andere, möglichst viel für sich selbst zu ergattern.  


Treibstoff:

Die meisten Tankstellen haben weder einen eigenen Stromerzeuger noch eine Einspeisevorrichtung für einen Stromerzeuger. Ohne Strom funktionieren die Pumpen nicht, die die Zapfsäulen und Zapfhähne mit dem Treibstoff aus den unterirdischen Tanks speisen. Die Nachlieferung von Treibstoff ist ebenfalls fraglich, da die meisten Tankwagen mit einer Geoüberwachung ausgerüstet sind und ohne Internet nicht abladen können. Da es sich bei der Geoüberwachung um einen Diebstahlschutz handelt ist diese auch nicht mit einfachen Mitteln außer Kraft zu setzen.


Sicherheit:

Türsprechanlagen und Türöffner, Zutritts-Sicherungssysteme, Alarmanlagen, Videoüberwachung und Brandmeldeanlagen funktionieren nur solange Akkus oder Notstromsysteme ersatzweise Strom liefern. Krankenhäuser haben Notstromaggregate und besonders kritische Bereiche wie Operationssaal und Intensivmedizin haben eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung. Eine Versorgungsdauer von 24 Stunden ist gesichert. Darüber hinaus hängt der Betrieb von der Nachlieferung von Treibstoff ab. Fluchtwegmarkierungsleuchten in größeren (Wohn-) Gebäuden leuchten maximal 3 Stunden.

Einsatzorganisationen, wie Polizei, Rettung und Feuerwehr sind nicht mehr erreichbar und auch nur mehr sehr eingeschränkt handlungsfähig. Eine gewohnte Hilfeleistung bei medizinischen Notfällen, Bränden, Einbrüchen oder Raubüberfällen ist nicht mehr möglich. Durch diesen Umstand und den Ausfall der öffentlichen Beleuchtung, werden auch Plünderer und Einbrecher vermehrt aktiv werden.  

Schwerwiegende wirtschaftliche Schäden können auch in Industriebetrieben entstehen, die auf eine fortwährende Energiezufuhr angewiesen sind und einen Produktionsprozess nach einer Leistungsunterbrechung nicht ohne Weiteres fortführen können (etwa die chemische Industrie, Lebensmittelverarbeitung usw.). Im Bereich der EDV können Stromausfälle zum Verlust nicht gesicherter Daten sowie im Einzelfall zur Beschädigung von Geräten führen.

Eine Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) kommt zu dem Ergebnis, dass durch einen langandauernden und großflächigen Stromausfall alle kritischen Infrastrukturen betroffen wären und ein Kollaps der gesamten Gesellschaft kaum zu verhindern wäre. Trotz dieses Gefahren- und Katastrophenpotenzials sei ein diesbezügliches gesellschaftliches Risikobewusstsein nur in Ansätzen vorhanden.

Aus einem österreichischen bzw. in Folge europäischen Forschungsprojekt stammt der Blackout-Simulator, mit dem eine Kostensimulation (Nichtverfügbarkeit von Leistungen) durchgeführt werden kann. Hierbei können jedoch keine Schäden in Folge eines Blackouts berücksichtigt werden.

Stromausfall in Kernkraftwerken („Schwarzfall“)

Zur Absicherung gegen externe Netzausfälle müssen die Kernkraftwerke (KKW) in Deutschland nach der kerntechnischen Regel „KTA 3701“ über mindestens zwei netzseitige Versorgungsmöglichkeiten sowie – bei Ausfall der externen Netze – über eine automatische Umschaltung auf Eigenbedarfsleistung des Kraftwerkes (Lastabwurf auf Eigenbedarfsleistung) verfügen. Erst bei Ausfall dieser drei Einspeisewege tritt der Notstromfall ein, der durch das redundante Notstromsystem des Kraftwerkes abgesichert wird, das den Strombedarf für die redundanten Nachkühlpumpen für die Nachwärmeabfuhr abdeckt. Der Notstromfall ist in den „Probabilistischen Sicherheitsanalysen (PSA)“ der KKW ein expliziter Untersuchungsfall („auslösendes Störfallereignis“) und wird in mit einer Eintrittshäufigkeit von H = 2,5 × 10−2/Jahr angegeben.

Verschiedentlich hatten KKW aber bereits mit Problemen zu kämpfen, die das ordnungsgemäße Funktionieren dieser Notstromaggregate respektive deren Zuschalt-Vorrichtungen betrafen. Am bekanntesten diesbezüglich sind wohl die Nuklearunfälle von Fukushima und die Störfälle von 2006 im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich 1975 im Kernkraftwerk Greifswald, 1982 im belgischen Kernkraftwerk Doel, 1999 im französischen Kernkraftwerk Blayais, 2000 im New Yorker Kernkraftwerk Indian Point 2, 2001 im taiwanesischen Kernkraftwerk Maanshan, 2004 im Kernkraftwerk Biblis, 2007 im französischen Kernkraftwerk Dampierre und Kernkraftwerk Penly und schweizerischen Kernkraftwerk Beznau 1 und 2011 im französischen Kernkraftwerk Tricastin.

Am 26. April 1986 übte das Bedienungspersonal des Kernkraftwerks Tschernobyl das Beherrschen eines Kernreaktors (Block 4) bei einem vollständigen Stromausfall. Dabei kam es auf Grund schwerwiegender Verstöße gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften und wegen der bauartbedingten Eigenschaften des mit Graphit moderierten Kernreaktors zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg, der zum Brand und zur Explosion des Reaktors (Katastrophe von Tschernobyl) führte.

 

Phase 2

Die Stromversorgung funktioniert zu­mindest wieder in weiten Teilen, die anderen Infrastruktursektoren jedoch noch nicht oder nur eingeschränkt. Diese Phase kann je nach be­troffener Infrastruktur Tage, Wochen und in Teilen sogar Monate (z. B. Ausfälle in der Tierhaltung oder Obst- und Gemüseanbau in Glashäusern) andauern. Die Phase 2 wird daher zu einer enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Belastungsprobe, die nur Menschen mit einer gewissen Eigenversorgungsfähigkeit relativ unbeschadet überstehen werden.

 

Eigenversorgungsfähigkeit - Resilenz

Diese Eigenversorgungsfähigkeit kann man nicht kaufen. Man kann sie sich nur durch gezielte Vorsorgemaßnahmen aneignen. Es ist nicht mit einer einmaligen Anschaffung von ein paar Vorräten, einer Taschenlampe und eines Batterieradios getan. Eigenversorgung muss zu einem laufenden und wachsendem Prozess werden. Ein umdenken im Konsumverhalten ist nicht nur hilfreich sondern nahezu unumgänglich. Die Möglichkeiten dazu sind im ländlichen Bereich sicher sehr viel einfacher und vielfältiger als im städtischen Bereich oder in Gegenden mit hoher Bevölkerungsdichte. Je mehr Menschen sich in Krisenfällen ganz oder teilweise selbst versorgen können, umso einfacher wird es für die Behörden den Rest der Bevölkerung not zu versorgen und die öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten.