Ob und wann es tatsächlich zu einem Zusammenbruch unseres Stromnetzes (Blackout) kommt, kann niemand vorhersagen. Wenn man das vorhersagen könnte, dann könnte man dem auch entgegenwirken und so einen großflächigen Ausfall mit großer Wahrscheinlichkeit verhindern. Es häufen sich jedoch laufend Situationen die unser europaweites Verbundnetz immer mehr in Bedrängnis bringen.

  1. Die Energiewende bringt Probleme mit sich: Die Leistung der Erneuerbaren schwankt nicht nur sehr stark, sie kann mitunter auch einmal ganz ausfallen. Die Situationen, in denen Strom knapp wurde, haben in den letzten Jahren zugenommen. In den letzten Wintern kämpfte Europa mehrere Wochen mit Stromknappheit.

  2. Infrastruktur nicht auf Klimawandel vorbereitet: Der Klimawandel hat verheerende Folgen für die Sicherheit der europäischen Stromnetze. Sowohl thermische als auch Atomkraftwerke benötigen Flusswasser zum Kühlen. Je wärmer das Flusswasser, desto geringer die Kühlleistung. Viele Flüsse werden von Gletschern gespeist. Die Gletscher schwinden zusehends und deshalb kommt während der Hitzeperioden zu wenig oder gar kein Wasser mehr nach. Dadurch wird die Situation erheblich verschärft.

  3. Cyberangriffe: Die Digitalisierung und Vernetzung unseres Stromnetzes steigt rasant und unaufhaltsam Tag für Tag. Die Anlagen und Infrastruktursysteme unseres Netzes wurden unter ganz anderen Voraussetzungen als sie heute vorherrschen errichtet. Einst autark laufende Kraftwerke sind heute stark mit anderen Anlagen vernetzt. Die Sicherheitsvorkehrungen können mit dem Tempo der Vernetzung jedoch nicht mithalten. Das Sicherheitsdesign vieler Anlagen ist schlicht und einfach veraltet.
    Bernd Benser vom Gridlab Berlin: "Wir wissen, dass Staaten explizit darauf aus sind, die Energieversorgungseinrichtungen der freien Welt massiv zu attackieren".
    Sandro Gaycken, Experte für Cybersicherheit am ESMT Berlin: "Derzeit sei niemand in der Lage, klare Lösungen zu erkennen, die eine "flächendeckende Wirkung" hätten. "Keiner weiß genau, wo man eigentlich anfangen müsste und was für Technologien sinnvoll wären."

  4. Elektromobilität: MATTHIAS AUER von der Presse: "Deutschlands Stromnetzbetreiber schlagen Alarm: Landen wirklich so viele Elektroautos wie erwartet auf der Straße, sind Blackouts vorprogrammiert."
    Österreich braucht nicht erst auf die Ankunft der E-Autos zu warten, das einst so sichere Stromnetz plagen heute schon grundsätzlichere Probleme: Der rasche Ausbau von Wind- und Solaranlagen lässt die Stromproduktion im Land extrem schwanken. Die Kosten, um das Netz weiter in Balance zu halten und Blackouts zu vermeiden, steigen enorm. Soll unser Verkehr wirklich zu einem nennenswerten Anteil auf E-Mobilität umgerüstet werden, so ist auch eine ausreichende und flächendeckende Ladeinfrastruktur unverzichtbar. Unser derzeitiges Niederspannungsnetz, welches für die Verteilung der Energie zu den Ladestationen zuständig ist, kann keinesfalls die erforderlichen Leistungen transportieren. Aber auch Mittelspannungsleitungen, Umspannwerke, Hochspannungsleitungen und natürlich auch die Erzeugung werden den erforderlichen Leistungsbedarf in den nächsten Jahren vor einem grundlegenden Um- und Neubau des Netzes, nicht bewältigen können.

Das sind nur einige der Punkte, die unser Netz immer instabiler machen. Einzelne Störungen werden in der Regel zeitgerecht erkannt und man kann entgegensteuern. Treffen jedoch mehrere Störungen aufeinander, kann dies zu einen nicht mehr zu stoppenden Dominoeffekt führen, welcher das Netz bis zum kippen bringt. Diese pränzlichen Situationen häufen sich in den letzten Jahren enorm. So haben die Kosten für die Netzstabilisierung in Österreich im Jahr 2011 2 Mio. Euro betragen. 2017 musste an 301 Tagen stabilisierend eingegriffen werden und die Kosten hierfür haben sich um mehr als das 150-fache, auf 320 Mio. Euro gesteigert.

Ob man jetzt an den viel zitierten Blackout glaubt oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Es geht bei dem Thema Blackout jedoch nicht um glauben, sondern ausschließlich darum ob man technische und physikalische Fakten und Grundgesetze akzeptiert oder nicht.

Da man als Bürger, auch wenn man die Gefahr erkennt, nicht wirklich viel gegen die derzeitige Situation tun kann, zählt im Grunde für den Einzelnen nicht das "Ob" und das "Wann" das Ereignis eintritt, sondern nur die Fähigkeit sich in einer Krise möglichst lange und ohne fremde Hilfe, selbst versorgen zu können.