Als Blackout bezeichnet man den plötzlichen, überregionalen und länger andauernden Ausfall großer Stromnetze. Besonders populär wurde der Begriff mit dem großen Stromausfall 2003 in den USA und dem Stromausfall in Europa im November 2006. Ein solcher Ausfall führt im Gegensatz zu lokalen Ausfällen auch zu weitreichenden Infrastrukturausfällen (Telekommunikations-, Wasser-, Abwasser-, Geld-, Lebensmittel-, Gesundheitsversorgung usw.) bzw. zu erheblichen Einschränkungen auch nach dem unmittelbaren Stromausfall.

Als Station Blackout oder Schwarzfall bezeichnet man in der Energietechnik einen Stromausfall in einem Kraftwerk. Kraftwerke können von sich aus (ohne Stromnetz) nur dann wieder hochfahren, wenn sie über eine sogenannte Schwarzstartfähigkeit verfügen, was die Ausnahme ist. Hinzu kommt, dass etwa Kohlekraftwerke sehr träge reagieren und viele Stunden (36-72 Stunden sind durchaus realistisch) zum Wiederhochfahren benötigen, wenn sie einmal kalt sind.

Kernkraftwerke brauchen nach einer Abschaltung (z. B. Schnellabschaltung) erhebliche Mengen Strom, um die Pumpen des Kühlsystems weiter zu betreiben. Jeder Kernreaktor produziert nach dem Abschalten Nachzerfallswärme; wenn diese nicht abgeführt wird, schmelzen die Brennstäbe (Kernschmelze); dabei besteht auch Explosionsgefahr (siehe Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011). Die Funktion der Notkühlsysteme wird regelmäßig geprüft und getestet. Bei den routinemäßigen Probeläufen funktioniert die Kühlung, laut Experten, auch bei den meisten Kernkraftwerken. Das heißt aber im Gegenzug, dass die Notkühlung nicht immer bei allen Kraftwerken einwandfrei funktioniert. "Fukushima II" wäre damit dann vorprogrammiert. Ein Station Blackout ist deshalb unbedingt zu vermeiden.

 

Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Was geschieht bei einem längeren Stromausfall?

Anders als in vielen Teilen der Erde kennen wir in Österreich und Deutschland Stromausfälle fast gar nicht mehr. Das ist auch gut so, denn unsere Abhängigkeit von elektrischer Energie ist inzwischen so umfassend geworden, dass unser normales Leben ohne Strom nicht mehr denkbar ist. So selbstverständlich wie bisher ist die ungestörte Versorgung aber nicht. Durch den starken Ausbau der Erneuerbaren Energien Sonne und Wind wird unser Stromnetz durch rasche Zu- und Abnahmen großer Leistungen enorm belastet. Früher musste kaum regelnd in den Netzbetrieb eingegriffen werden. So waren in Deutschland 2003 insgesamt nur zwei, im letzten Jahr dagegen an 306 Tagen insgesamt 990 Eingriffe erforderlich. Aus der Ausnahme ist nahezu eine tägliche Regel geworden. Dabei sind nach Aussage der Netzbetreiber auch gelegentlich kritische Situationen eingetreten, so Anfang Februar 2017 bei großer Kälte und stark schwankendem Angebot an Solar- und Windenergie. Dabei ist schwer vorauszusagen, ob ein Netzzusammenbruch regional begrenzt werden kann, oder wie vor 2 Jahren in Italien auf das ganze Land übergreift, und wie lange es dauert, bis die Versorgung flächendeckend wiederhergestellt ist. Mehrtägige Stromausfälle könnten aber auch die Folge von terroristischen Aktionen oder von Extremwetterereignissen sein. Deren Wahrscheinlichkeit nimmt zwar zu, ist aber immer noch gering. Die Folgen sind aber so gravierend, dass eine Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag im letzten Jahr zu der Empfehlung kam, trotz der geringen Wahrscheinlichkeit bessere Vorsorge zu treffen.


Von Manfred Popp (Manfred.Popp(at)energie-fakten.de)

 

Die Studie beschreibt eindrucksvoll, was bei einem mehrtägigen Blackout passiert:

 

  1. Information und Kommunikation

brechen fast vollständig zusammen. Als erstes fällt das Festnetz-Telefon aus und mit ihm auch die meisten Internet- und Mail-Anschlüsse, Mobiltelefone können je nach Ladezustand noch einige Tage durchhalten, das nutzt aber nichts, weil die Basisstationen, die die Einwahl in die Netze ermöglichen, nach kurzer Zeit überlastet ausfallen. Fernseher funktionieren nicht mehr, allein über batteriebetriebene Radios oder durch Notausgaben von Zeitungen kann man noch Informationen erhalten.

 

  1. Verkehr

Mit dem Stromausfall bricht sofort der gesamte Schienenverkehr zusammen. Zahlreiche Reisende müssen aus U-Bahnen oder auf freier Strecke liegengebliebenen Zügen geborgen werden. In den Städten fällt die Verkehrsregelung aus, dadurch kommt es zu vermehrten Unfällen. Die Straßen werden zunehmend verstopft durch Unfallfahrzeuge oder aus Spritmangel liegengebliebe Autos. Polizei und Rettungsdienste werden dadurch stark behindert, soweit sie überhaupt selbst noch über Kommunikationswege und über eine Spritversorgung verfügen. Lediglich auf den Autobahnen ist zunächst wenig von einem Stromausfall zu merken, jedenfalls solange die Tankfüllung reicht. Auch Flughäfen erweisen sich wegen einer starken Notstromversorgung als robust; sie können Starts und Landungen in begrenztem Umfang noch abwickeln, allerdings wird der Zu- und Abgang der Passagiere zunehmend problematisch. Der Schiffsverkehr wird zunächst kaum betroffen, aber die Be- und Entladung in den Häfen fällt aus.

 

  1. Wasser und Abwasser

Förderung, Aufbereitung und Verteilung von Wasser sind durchwegs auf Pumpen angewiesen, sie sind nach kurzer Zeit stark eingeschränkt, und das Verteilsystem funktioniert nur noch bei natürlichem oder künstlichem Gefälle. Damit steht in vielen Regionen kein Wasser mehr zum Trinken, Kochen und für die Hygiene zur Verfügung. Die Toiletten verstopfen, und die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten nimmt zu. Gleichzeitig wächst das Risiko von Bränden, weil z.B. in Industrieanlagen die Kühlung ausfällt oder in den Haushalten versucht wird, ohne Strom zu kochen. Andererseits ist aber auch die Brandbekämpfung stark beeinträchtigt. Auch die Abwasserentsorgung ist gefährdet, weil die Schmutzwassermenge sinkt und damit Verstopfungen in Kanälen zum Austreten von Schmutzwasser führen können. Die Kläranlagen können meist dank Notstromversorgung weiterbetrieben werden, wo sie fehlt oder ausfällt, muss das Abwasser ungeklärt in die Flüsse abgeleitet werden.

 

  1. Lebensmittel

Die komplexe Versorgungskette von der Rohstoffproduktion bis zu den Fertigerzeugnissen wird unterbrochen. Die bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung wird vorrangige Aufgabe der Behörden. Von der erfolgreichen Bewältigung dieses Problems hängt nicht nur das Überleben zahlreicher Menschen ab sondern auch die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Große Probleme ergeben sich in der Massentierhaltung, Schweine und Geflügel überleben bei diesen Bedingungen oft schon die ersten Stunden nicht.

 

  1. Gesundheitswesen

Das dezentral und hocharbeitsteilig organisierte Gesundheitswesen kann den Folgen eines Stromausfalls nur kurz widerstehen. So können die Krankenhäuser nur noch einen eingeschränkten Betrieb unterhalten, Dialysezentren, Alten- und Pflegeheime müssen geräumt werden. Arztpraxen und Apotheken müssen schließen. Arzneimittel werden rasch knapp. Dramatisch werden Engpässe bei Insulin, Blutprodukten und Dialyseflüssigkeiten. Rettungsdienste können nur noch begrenzt für Transport und Evakuierungseinsätze eingesetzt werden, weil sie durch vielseitige Anfragen überfordert und selbst von Treibstoffmangel und Ausfall der Kommunikation betroffen sind.

 

  1. Finanzdienstleistungen

Das viel-kritisierte Finanzsystem erweist sich in einigen Bereichen als recht robust gegenüber einem Blackout, so beim Daten- und Zahlungsverkehr zwischen den Banken und den Börsen. Weniger robust sind die Kommunikationswege mit ihren Kunden, da Telefon und Internet ausgefallen sind. Bankfilialen bleiben geschlossen, auch Geldautomaten funktionieren nicht mehr, so dass die Bevölkerung bald keine Bezahlmöglichkeiten mehr hat.

 

  1. Verhalten der Bevölkerung

Alles zusammen führt zu Unsicherheit in der Bevölkerung, die verschiedene Auswirkungen haben kann, vermehrte Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe ebenso wie ein Zurückfallen hinter die Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens (wie es die Studie vornehm formuliert, gemeint sind wohl Plünderungen und andere Ausschreitungen).

 

  1. Finanzielle und soziale Kosten

Auch die wirtschaftlichen Folgen eines Stromausfalls in Deutschland wurden in der Studie kalkuliert. Wegen der hohen Stromintensität der deutschen Wirtschaft verursacht jede ausgefallene kWh Kosten von 8 bis 16 Euro. Bei einem Deutschland-weiten Stromausfall im Winter entsteht damit in einer Stunde ein wirtschaftlicher Schaden von 0,6 bis 1,3 Milliarden Euro, am Tag also 20 bis 30 Milliarden Euro.

Keine Angaben findet man in der Studie zu den Opfern. Man muss aber davon ausgehen, dass durch vermehrte Unfälle, unzureichende Rettungsmaßnahmen, Ausfall von lebenserhaltenden Systemen, Brände oder öffentliche Unruhen zahlreiche Todesfälle eintreten werden.


Fazit

Die Studie bemüht sich um große Sachlichkeit, ergibt in der Summe aber ein erschreckendes Bild, das bewusst macht, wie sehr wir in unserem modernen Leben auf eine gesicherte Stromversorgung angewiesen sind. Elektrische Energie ist kein Luxus sondern eine lebensnotwendige Grundlage. Wir sollten entsprechend verantwortungsvoll und mit ausreichender Vorsorge mit unserem Stromversorgungssystem umgehen. Wer diese Studie gelesen hat, wird nie wieder leichtfertig über einen Blackout sprechen.