Lokales Krisenzentrum - ein Ort der Begegnung.

Grundsätzlich sollten möglichst viele Menschen dazu bewogen werden, ihre Eigenversorgungsfähigkeit zu steigern und im Falle eines längerfristigen Infrastrukturausfalles (z.B. in Folge eines Blackouts) möglichst eigenständig und ohne fremde Hilfe so lange als möglich aus zu kommen. Diese Voraussetzung wird nicht immer gegeben sein, da viele Menschen auf Grund fehlender logistischer Möglichkeiten und physisch oder psychischer Verfassung nicht in der Lage sein werden, wirksame Vorkehrungen zu treffen. Es wird auch immer hartnäckige Mitbürger geben, die Fakten ignorieren und erst zu spät oder gar nicht handeln. In vielen Situationen wird es aber nicht nur für diese Personengruppen, sondern für alle Betroffenen von Vorteil sein, Dinge gemeinsam und mit gegenseitiger Unterstützung zu erledigen.

Besonders gefährdet ist unser Stromnetz im Winter, während längerer Kälteperioden. Immer wieder kommt es während Extremwettersituationen zu prekären Situationen und "Beinahe-Ausfällen". Die Fakten zeigen das die Gefahr eines Blackouts während solcher Zeiten am höchsten ist. Wenn man nun bedenkt, dass in diesem Fall dann viele Menschen tagelang bei Temperaturen von -15° bis -20° ohne Heizung auskommen müssen, kann man sich ausmalen, vor welchen Herausforderungen diese Menschen stehen. Wenn dazu noch die Nächte ohne Licht verbracht werden müssen und vielleicht auch noch die Lebensmittelvorräte knapp werden, wird auch das Sicherheitsgefühl und die gewohnte Geborgenheit dieser Menschen sehr leiden. Diese Situation wird nicht nur zu physischen, sondern auch zur psychischen Herausforderung für die Betroffenen. 

Wenn Menschen in solchen Situationen alleine gelassen werden, sind Konflikte und Auseinandersetzungen vorprogrammiert. Bei Elementarereignissen und Naturkatastrophen sind alle mit dem Bewältigen und Beseitigen der Schäden beschäftigt. Wenn es sich aber "lediglich" um einen Strom- und Infrastrukturausfall handelt, ist man eigentlich zum "Nichtstun" verdammt. Alle gewohnten Beschäftigungsmöglichkeiten wie Fernseher, Computer, Internet, Handy und Social-Media funktionieren nicht mehr. Durch den erhöhten Stresspegel können Alltagssituationen schnell zu nicht bewältig baren Aufgaben werden. Genau aus dieser Situation heraus entsteht die Gefahr der erhöhten Aggression und Unausgeglichenheit der Menschen. Diese Konflikte können zumindest teilweise durch lokale Krisenzentren verhindert werden. Je mehr Personen, beider Geschlechter und aller Altersklassen, mit eingebunden und mit Aufgaben betraut werden, umso leichter können aus Hilflosigkeit resultierende Stresssituationen vermieden werden.

 

Was ist ein "lokales Krisenzentrum"?

Lokale Krisenzentren sollten unter Berücksichtigung einiger Grundvoraussetzungen geschaffen werden. Das Zentrum sollte ein vordefiniertes Einzugsgebiet haben und die betroffenen Menschen sollten durch laufende Informationen wissen wer für sie zuständig ist. Die Bevölkerung muss auch vorab darüber informiert sein, was sie sich im Ernstfall von dieser Einrichtung erwarten kann und was nicht. Es darf keinesfalls der Eindruck in der Bevölkerung entstehen, dass durch die Schaffung von Krisenzentren alle Probleme gelöst sind. Eine private Vorsorge ist trotzdem erforderlich. Das Zentrum wird aus logistischen Gründen nur wirkliche Härtefälle (Personen die nicht in der Lage sind selbst vorzusorgen) mit Lebensmittel udgl. versorgen können. Eine Hauptaufgabe ist die Organisation und Abwicklung gemeinsamer Aktivitäten, die Information der Bevölkerung, die Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Behörden und die Koordination und Umsetzung gemeinschaftlicher Maßnahmen. Nur wenn diese Aufgaben und die Möglichkeiten des Krisenzentrums der Bevölkerung übermittelt werden, kann ein reibungsloses Funktionieren im Ernstfall vorausgesetzt werden. Es darf in der Bevölkerung keinesfalls der Eindruck entstehen, dass durch die Schaffung dieser Einrichtung jeder abgesichert und von seiner Eigenverantwortung entbunden ist. Missverständnisse durch falsche Erwartungshaltungen müssen im Vorfeld schon vermieden werden. Durch die gleichzeitige Einführung eines "Zivilschutztages" könnte die Funktion dieser Einrichtung geübt und die Bevölkerung informiert werden. 
 

Was sind die Aufgaben?

  • Versorgung älterer und hilfsbedürftiger Personen die im Normalfall auf "Essen auf Rädern", Heimhilfe, etc. angewiesen sind.

  • Gemeinsames Verkochen verderblicher Lebensmittel.
    Wenn in vielen Häusern mangels Strom die Kühlung ausfällt, stehen innerhalb von wenigen Stunden große Mengen an schnell verderblichen Lebensmitteln zur Verfügung. Ohne geeignete Maßnahmen gehen diese Ressourcen unweigerlich verloren. In notstromversorgten Krisenzentren können Kühlgeräte aufgestellt werden und diese Menge an Lebensmitteln erst einmal vor dem Verderben gesichert werden. Wenn diese Lebensmittel dann schnellstmöglich verkocht und ausgegeben werden, kann man dadurch Konserven und lange haltbare Produkte sparen. Bei einer guten Koordination kann man durch diese Maßnahme sogar die Menge an zu bevorratenden Lebensmitteln reduzieren. 

  • Erste Anlaufstelle für medizinische (Not-) Fälle.
    Da keine Kommunikation mehr funktioniert ist bei medizinischen Notfällen weder Arzt noch Rettung oder Notarzt zu erreichen. Die einzige Möglichkeit die in dieser Situation bleibt, ist der Weg mit dem Auto zum nächsten Arzt oder Krankenhaus. Niemand weiß aber wo und ob der Arzt erreichbar ist. Deshalb wird der Großteil der Menschen die ärztliche Hilfe benötigen, ihr "Glück" im nächsten Krankenhaus versuchen. Auch das Krankenhaus leidet in dieser Situation unter Personalmangel und es ist nur ein Notbetrieb möglich. Dieser Notbetrieb steht dann aber einer unüberschaubaren Flut an Patienten gegenüber. Die Masse an Patienten kann nicht behandelt werden und der Großteil muß nach Stunden vergebenen Wartens, wieder die Heimreise antreten. Das Krisenzentrum kann Informationen einholen, wo und wann Ärzte verfügbar sind. Dadurch können gezielte Fahrten organisiert werden. Im Idealfall sind im Ort Ärzte, Krankenschwestern oder Notfallsanitäter vorhanden welche im Krisenzentrum anwesend sind und somit leichtere Beschwerden oder Verletzungen vor Ort behandeln können. Damit kann man unnötige Fahrten vermeiden und die Krankenhäuser maßgäblich entlasten.

  • Koordinierte Besorgungsfahrten.
    Anstatt sich vielleicht fünf Personen gleichzeitig mit fünf Autos auf den Weg in den nächsten Bezirksvorort machen um Medikamente, Lebensmittel oder dergleichen zu besorgen, werden gemeinsame Fahrten organisiert. Es fährt nur ein Auto. Dadurch wird nicht nur Treibstoff gespart. Es werden auch unnötige Ansammlungen von Menschen in Ballungszentren und der damit einhergehende Anstieg des Aggressionspotentials vermieden. Vom Krisenzentrum können möglicherweise auch Informationen eingeholt werden, wo noch etwas verfügbar ist. Somit können unnötige Irrfahrten verhindert werden.

  • Krisenstab und Koordination
    Die Behörde in erster Instanz ist die Gemeinde. Diese ist in vielen Fällen kilometerweit entfernt. In jedem Ort sollte deshalb ein Krisenstab gebildet werden. Dieser sollte mit einem ausfallsicheren Kommunikationsmittel (Funkgeräten) mit der Gemeinde verbunden sein. Die Gemeinde wird dadurch sehr stark entlastet und trotzdem ist ein geregelter Ablauf bezüglich der Aufrechterhaltung und Nutzung der in gemeindeeigenen Infrastruktur gegeben.

  • Information
    Ein längerer Infrastrukturausfall ist eine absolute Ausnahmesituation für alle Beteiligten. Ein wesentlicher Stressfaktor für die Bevölkerung ist dabei sicherlich fehlende Information. Genauso negativ wie  fehlende Informationen sind aber falsche Informationen, welche Mutmaßungen und Gerüchte schüren und somit noch mehr Verunsicherung verursachen. Durch eine Kommunikationsmöglichkeit zur Gemeinde und über diese weiter zur Bezirkshauptmannschaft und Landesregierung können schnellstmöglich qualifizierte und gesicherte Informationen über das Krisenzentrum an die Bevölkerung weitergegeben werden. Im Fall einer Krise sind gesicherte und der Sachlage entsprechende Informationen ein wichtiger Faktor für die Bevölkerung. Fehlende oder gezielte Falschinformation führt zu Unmut, Unruhen und Situationen die leicht außer Kontrolle geraten können.

  • Regionalisierung
    Das Krisenzentrum soll durch seine Tätigkeit möglichst viele Menschen dazu bringen im eigenen Ort zu bleiben. Dadurch werden große Menschenansammlungen in Spitälern, Apotheken, Einkaufszentren und überall wo angenommen wird, dass es noch etwas zu kaufen gibt, vermieden. Überall wo viele Menschen mit der Absicht etwas zu bekommen oder zu erreichen einen ungewohnt kleinen und bei weitem nicht ausreichendem Angebot gegenüber stehen, wird es zu Streitereien und Handgemengen kommen. Je mehr Menschen man gezielt von diesen Orten fernhalten kann umso leichter können solche Situationen vermieden werden. Das Krisenzentrum kann diesbezüglich gute Dienste leisten und die Menschen großflächig verteilt in ihrer gewohnten Umgebung halten und durch geplante Besorgungsfahrten trotzdem eine bestmögliche Beschaffung von benötigten Waren erreichen.      

 

Welche Gebäude können als Krisenzentrum dienen?

Im Prinzip kann jedes Gebäude, welches die Grundvoraussetzungen erfüllt als Krisenzentrum dienen. Besonders geeignet sind natürlich Gebäude in Gemeindeeigentum, wie Gemeindehäuser, Schulen, Kindergärten, etc. In kleineren Orten kann natürlich auch das Feuerwehrhaus als Krisenzentrum dienen. (Siehe auch "Krisensicheres Feuerwehrhaus"). Aber nicht nur öffentliche Gebäude sind denkbar. Gasthäuser, Pensionen und Hotels sind z.B. aus Sicht ihrer Infrastruktur ideale Objekte zum Versorgen größerer Menschenansammlungen. Die Verwendung von Gebäuden die in Privatbesitz stehen bringt aber nicht nur mögliche Vorteile bezüglich der Infrastruktur mit sich. Es besteht auch die Gefahr von Unstimmigkeiten und Missverständnissen, welche ohne gute Planung, zum Totalausfall des Objektes als Krisenzentrum führen können. Wenn man sich für ein nicht öffentliches Gebäude entscheidet, so sind genaue Regelungen und Verträge zwischen Gemeinde und Eigentümer festzulegen und zu schließen. Nur wenn die Kompetenzen und finanziellen Angelegenheiten im Vorfeld abgeklärt und schriftlich festgehalten werden, kann ein reibungsloses Funktionieren im Ernstfall gewährleistet und nachträgliche Probleme vermieden werden.

Was muss unbedingt vorhanden sein?

  1. Notstromversorgung
  2. Beleuchtung
  3. funktionierende Heizung
  4. Räumlichkeiten für eine Einsatzleitung
  5. Kommunikationsmöglichkeiten (ortsintern, zu anderen Krisenzentren, zu Behörden und Hilfsorganisationen) - soweit noch möglich
  6. genügend Räumlichkeiten für die zu erwartenden Personen
  7. funktionierende Sanitäranlagen
  8. Kochmöglichkeiten
  9. Notvorrat an Getränken
  10. Verbands- und Erste-Hilfe Material
  11. Fahrzeuge mit genügend Treibstoffvorrat (die natürlich erst im Ernstfall von Privatpersonen oder Betrieben bereitgestellt werden).